Blog-AG interviewt Musiker Willer

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Kulturrucksack Wuppertal

„Euer Wachmann ist aber schon krass“, war das Erste, was Thorsten Willer sagte, als er zur Tür hereinkam. Kurz zuvor war er vom Hausmeister der Schule aufgehalten worden. Vermutlich ist ein tätowierter Musiker mit Gitarrenkoffer ein ziemlich seltener Anblick am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium. Willer war von der Journalismus-AG der Schule zu einem Interview eingeladen worden.

Der Wuppertaler Singer-/Songwriter spielte auf seiner aktuellen Tournee 91 Konzerte. Das Abschlusskonzert gab er Mitte Dezember in Berlin – mit viel Durchhaltevermögen hat er es deutschlandweit auf die Bühnen geschafft. Der 34-Jährige schreibt all seine Songs selbst und hat bereits drei Soloalben und eine EP veröffentlicht. Sein letztes Album heißt „Wovon sollen Lieder reden“ und nach der Tour soll seine neue LP erscheinen. Mit den Schülern der Blog-AG sprach der lockere Musiker über Familie, Karriere und warum er einen riesigen Engelsflügel auf den Unterarm tätowiert hat. 

War es dein Traum Musiker zu werden und was hat dich damals angetrieben Musik zu machen?
Ja, immer schon, ich kann kein genaues Alter nennen aber eigentlich seit ich denken kann. Mit sechs Jahren war ich bei einem Tag der offenen Tür, wo man sich ein Instrument aussuchen konnte. Es war immer schon klar, dass ich eine musikalische Früherziehung bekommen sollte und da habe ich mir eine Gitarre ausgesucht. Das ist mein Instrument geblieben und ich habe Gitarrenunterricht bekommen. Dadurch habe ich auch den Drang bekommen, es zu lernen. 

Wurdest du von dabei unterstützt?
Ich wurde durch meine Familie und einen Freund unterstützt, mit dem ich Gitarrenunterricht hatte. Später haben wir gemeinsam eine Band gegründet, dort pusht man sich gegenseitig. Das ist auch besser, als es von den Eltern vorgegeben zu bekommen.

War es schwer in der Musikbranche Fuß zu fassen?
Absolut. Unabhängig davon ob man erfolgreich ist oder war, es ist eine unsichere Sache. Aber es bringt einen Reiz, dadurch wird es nicht langweilig. Bei allem was man selbstständig macht, ist es nicht leicht. Egal ob Schauspieler, Tänzer oder Journalist.

Trittst du gerne vor vielen Menschen auf oder hast du immer noch Lampenfieber?
Ich trete gerne vor vielen Menschen auf und spiele auch als Support Act für viele große Künstler, wie Revolverheld, Luxus Lärm, Richie Sambora, Mrs Greenbird, aber auch mit vielen weiteren nicht ganz so bekannten. Wenn man vor vielen tausenden Menschen als Support Act auftritt, muss man sich um nichts kümmern, man wird abgeholt, man muss keine Werbung machen und du kannst ganz frei spielen. Ich habe mehr Lampenfieber bei kleineren Auftritten, da es viel persönlicher ist. Bei vielen Menschen ist man um Einiges weiter weg als in einem kleinen Kreis.

Bedeutet es dir etwas, bekannt zu sein?
Ja, das ist ja auch der Grund warum man bekannter werden will – um mehr Leute zu erreichen, nicht, weil ich mich besonders nach oben stellen möchte. Es geht mir aber schon darum, dass Leute meine Musik hören, ich schreibe die Songs ja nicht nur für mich.

Haben deine Kette und die Tattoos eine besondere Bedeutung?
Ja, alles hat eine Bedeutung, zum Beispiel auf meinem rechten Unterarm wo ein Flügel mit der Beschriftung „Dare To Dream“ tätowiert ist. Der Flügel bedeutet für mich, dass Träume einen nach oben heben, wenn man daran glaubt. Ich sehe es nicht so, dass man heutzutage einen sicheren Job haben muss und dass man in dieses Raster passen muss.

Warum singst du nach drei Alben auf Englisch nun auf Deutsch?
Ich wollte es einfach mal ausprobieren. Der Song „Die Schwebe“ war der erste Song, den ich auf Deutsch geschrieben habe. Nach Konzerten haben mich die Leute immer darauf angesprochen und gefragt, ob der Song auch auf meiner CD drauf ist. Wenn man seine eigenen Lieder schreibt, möchte man sich auch immer wieder fordern, denn ich finde, dass die deutsche Sprache nicht besonders einfach für das Songwriting ist. Die Leute achten viel mehr auf den Text. Mittlerweile habe ich aber Übung darin und habe die Liebe dazu entdeckt, in meiner Muttersprache zu singen und finde es einfacher.

Sind alle deine Texte autobiografisch?
Entweder autobiografisch oder etwas, was ich aus dem nahen Umfeld aufschnappe. Es sind Sachen, die ich erlebt habe oder die mich bewegen.

Welches Thema hat dich beim Schreiben am meisten berührt?
Der Verlust von Menschen, die einem wichtig sind. Das ist das was mich am meisten bewegt hat, aber mittlerweile bin ich offener geworden für andere Themen. Ich war zum Beispiel nie jemand, der gerne über die Liebe geschrieben hat. Irgendwann öffnet man aber auch diese Schublade. Ich würde aber nie über etwas schreiben, nur weil andere es möchten, sondern es muss von mir kommen.

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